Vidal Wagner

Zwei Hauptstädte, zwei Modelle: Barcelona und Frankfurt vor der Zukunft der Architektur /
Dues capitals, dos models: Barcelona i Frankfurt davant del futur de l'arquitectura.

Im Jahr 2026 rücken zwei europäische Städte dank zweier Ereignisse von großer Bedeutung für die zeitgenössische Architektur und Stadtplanung in den Mittelpunkt der internationalen Debatte. Einerseits der Weltkongress für Architektur UIA World Congress of Architects 2026 Barcelona in Barcelona und andererseits die World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026.

Stehen wir vor zwei vergleichbaren Ereignissen oder vielmehr vor zwei unterschiedlichen – und vielleicht komplementären – Ansätzen zur Rolle der Architektur in der zeitgenössischen Stadt?

Bevor diese Frage beantwortet wird, ist es wichtig klarzustellen, dass dieser Text keinen Vergleich im Sinne einer Wertung anstrebt, sondern zwei zeitgenössische Ansätze untersucht, die sich nicht ausschließen, sondern das Feld der Architektur erweitern.

Während sich in Barcelona der UIA-Kongress um einen disziplinären Rahmen organisiert, der die lange Tradition des Kongresses (Lausanne, Schweiz, 1948) fortführt, mit einem Fokus auf die berufliche Debatte und die Produktion architektonischen Wissens, verfolgt die World Design Capital mit ihrer jüngeren Geschichte (Turin, Italien, 2008) einen stärker territorialen Maßstab – daher der Bezug zur RheinMain-Region – sowie eine transversale Perspektive, in der Architektur Teil eines umfassenderen Ökosystems wird.

Beide Ereignisse stellen somit zwei unterschiedliche kulturelle Rahmen dar, aus denen heraus sich die zeitgenössische Stadt und Architektur betrachten lassen, ohne dass diese Unterschiede hierarchisch zu verstehen sind, sondern vielmehr als komplementäre Ausdrucksformen eines sich wandelnden Fachgebiets. Schauen wir uns die jeweiligen Ansätze genauer an, um mögliche Synergien zu erkennen.

Der Weltkongress der UIA präsentiert sich als internationale Plattform für Austausch, Debatte und Wissensproduktion rund um die Zukunft der Architektur. Er bringt Fachleute, Forschende und Studierende in einem globalen Kontext zusammen, der von ökologischen und sozialen Transformationsprozessen geprägt ist. Obwohl er sich auf die architektonische Disziplin konzentriert, betont der Kongress selbst die Notwendigkeit interdisziplinärer Ansätze zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen.

In diesem Rahmen gliedert sich der Kongress in Vorträge, Podiumsdiskussionen und Forschungspräsentationen, die Themen wie den ökologischen Wandel, die Transformation von Städten oder die soziale Rolle der Architektur aus einer kritischen und zugleich zukunftsorientierten Perspektive behandeln. Dieses Format fördert die Entwicklung eines kollektiven Diskurses innerhalb der Disziplin, wobei Architektur als Bezugsrahmen für umfassendere Fragestellungen dient.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal dieses Ereignisses ist sein Format: Der Kongress richtet sich in erster Linie an ein Fachpublikum, mit hochrangigen internationalen Referentinnen und Referenten, und findet konzentriert innerhalb weniger Tage statt. Es handelt sich somit um einen intensiven Raum des Austauschs und der Reflexion innerhalb des architektonischen Feldes.

Die Ernennung zur World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 hingegen zeichnet Städte oder Regionen aus, die Design als Instrument in ihre politischen Strategien und Prozesse integrieren, um die Lebensqualität zu verbessern und aktuellen Herausforderungen zu begegnen.

Die World Design Capital ist nicht auf ein bestimmtes Format beschränkt, sondern organisiert ein hybrides Programm, das Konferenzen, Ausstellungen und Fachtreffen mit städtischen Interventionen, partizipativen Prozessen und strategischen Projekten auf territorialer Ebene verbindet. In diesem Fall wird die Stadt selbst zum Träger des Ereignisses, wodurch sowohl Fachleute als auch die Bevölkerung einbezogen werden.

Diese Struktur materialisiert sich in einem weitreichenden Netzwerk von Aktivitäten im gesamten Gebiet – von urbanen Installationen und Pilotprojekten bis hin zu Bürgerworkshops oder Bildungsprogrammen –, die darauf abzielen, die Stadt als Raum für Experiment und Innovation zu aktivieren. Anstatt die Debatte zu bündeln, wird sie auf mehrere Ebenen verteilt, indem unterschiedliche Akteure eingebunden und Design mit Alltagspraktiken und Stadtpolitik verknüpft werden.

Man könnte sagen, dass im Fall der UIA das Ereignis der Kongress ist, während bei der World Design Capital das Ereignis die Erfahrung der Stadt durch Design im Verlauf eines ganzen Jahres darstellt.

Beide Rahmen teilen jedoch einen gemeinsamen Hintergrund. Themen wie Wohnen, urbane Transformation, Nachhaltigkeit oder Governance tauchen in beiden Debatten auf, werden jedoch aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt – von der akademischen und professionellen Reflexion des Kongresses bis hin zur transversalen Experimentierpraxis der World Design Capital.

Letztlich reagieren beide auf dieselben Spannungsfelder, wenn auch mit unterschiedlichen Instrumenten.

Vielleicht lautet die entscheidende Frage nicht, wohin sich die Architektur entwickeln soll, sondern wie sie in der Lage ist, gleichzeitig in beiden Dimensionen zu operieren.

Artikel für den Blog der Auslandskorrespondenten der Architektenkammer Katalonien (COAC) | Carlos Vidal-Wagner | April 2026

Vollständiger Artikel auf Katalanisch